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Chronik
Aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sind eine Reihe von Erinnerungen an furchtbare Brandereignisse in Rodewitz und Bederwitz überliefert. So brannte am 27. Juli 1901 das mit Stroh gedeckte Bederwitzer Wohnhaus Nr. 15 (heute Gemeindeweg 1) sowie die benachbarte, ebenfalls mit Stroh gedeckte Wirtschaft Nr. 16 (heute Dorfstraße 9) vollständig nieder. Dieser Brand sollte der Anlass zur Gründung einer gemeinsamen Feuerwehr der Gemeinden Rodewitz und Bederwitz werden. Die alte Feuerwehrchronik berichtet: "Die Orte Rodewitz und Bederwitz gehörten zuvor dem Parochie- Spritzenverband Großpostwitz an, bestehend aus einer Spritze, welche durch besoldete Spritzmannschaften bedient wurde. Da die Leistung der Einrichtung dieses Instituts sehr weitläufig und mangelhaft war, entschlossen sich die Einwohner der beiden Orte, eine eigene freiwillige Feuerwehr zu gründen, welche auch am 4. August 1901 zustande kam."
Bereits im September des gleichen Jahres zählte man 40 Aktive. Die erste Feuerwehr-Wagen-Spritze vom Typ II 56 mit der Aufschrift "Rodewitz- Bederwitz 1901" bestellte man bei der Fa. E.C. Flader in Jöstadt. Die neue Wehr war in kurzer Zeit so weit formiert, dass sie sich bereits am 11. Mai 1902 der Mannschaftsprüfung durch Herrn Kreisvertreter und Stadtrat Guido Reiche aus Bautzen unter Anwesenheit der Gemeinderäte und Vorstände August Gruhl und Karl Trompler unterwerfen konnte und das Prädikat "Sehr gut" erhielt. Angesichts der nur zwei Pferdestärken, die die Spritze samt Mannschaft zogen, war das rechtzeitige Eintreffen bei Bränden z.B. in Obergurig, Ebendörfel, Cosul oder Wilthen eine beachtliche Leistung. Eine besondere Ehre war es für die Kameraden, eine I. oder II. Prämie zu erhalten, also erste oder zweite Wehr am Einsatzort zu sein. Ihre 25. Prämie erhielt sie bei einem Brand am 8. Juli 1914 in Berge. Für die Unterbringung von Spritze und Ausrüstung wurde 1902 ein Spritzenhaus mit Arrestzelle erbaut.
Infolge des Ersten Weltkrieges schmolz die Wehr von 50 auf 1917 17 Aktive zusammen. Die Nachkriegsjahre mit Weltwirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit waren auch für die FFw Rodewitz- Bederwitz nicht förderlich.
Mit der Machtübernahme Hitlers 1933 erhofften sich die Feuerwehrleute "Freiheit und Ehre" und einen "Neuaufbau der Feuerwehr". Die Feuerwehren wurden der Polizei angegliedert "und zur Feuerlöschpolizei erhoben." 1936 wurde Bederwitz nach Rodewitz eingemeindet. Die erste Motorspritze (Typ TS8) konnte 1938 in Dienst gestellt werden, was die Arbeit der Feuerwehrleute erheblich erleichterte.
Auch an der Rodewitzer Feuerwehr gingen die Jahre des Zweiten Weltkrieges nicht spurlos vorüber, doch der Blick wurde nach vorn gerichtet. Bereits 1947 ist wieder von Feuerwehrvergnügen die Rede. Im Zusammenhang mit den Vorführungen zum 50. Gründungsjubiläum der Wehr 1951 kommt erstmals die neu gegründete Rodewitzer Jugendgruppe der FFw zum Einsatz. 1955 wird der Feuerlöschteich im OT Sonnenberg hergerichtet, 1959 wird die Ausrüstung mit Schutzhelmen, wasserdichten Schutzanzügen, Tuchuniformen, kleinen Löschgeräten und Schlauchmaterial vervollständigt, ein alter LKW der Marke "Steyer" in 1160 NAW-Stunden (Nationales Aufbauwerk) zu einem Mannschaftswagen umgebaut und 1969 das neue Gerätehaus an der Bederwitzer Straße eingeweiht.
Die Gründung der Arbeitsgemeinschaft "Junge Brandschutzhelfer" am 26.11.1965 geht darauf zurück, dass am 9.10.65 drei Jungen aus Rodewitz einen Scheunenbrand verhinderten, der durch Zigarettenrauchen von Kindern entstehen konnte.
Mitglieder der AG „Junge Brandschutzhelfer“ bei einem Festumzug
Diese Arbeitsgemeinschaft ist 1988 wieder aktiviert worden und entwickelte sich zur Jugendfeuerwehr, die bis heute das Freizeitangebot für unsere Jugendlichen bereichert.
In den 70er und 80er Jahren nahmen feuerwehrkampfsportlichen Vergleiche einen nicht unbedeutenden Platz in der Arbeit der FFw ein. Gutes Abschneiden spornte an und lohnte die Anstrengungen bei Ausbildung und Training.
Kamerad Schneeberg bei einer Siegerehrung
Im 80. Jahr ihres Bestehens, im Mai 1981, konnte die Rodewitzer Feuerwehr ihre technische Ausrüstung durch die Anschaffung eines neuen Löschfahrzeugs vom Typ Robur LO 2002AKF/LF8-TS8 vervollkommnen.
Vorbeugender Brandschutz gewann mehr und mehr an Bedeutung in diesen Jahren und hat in seiner Konsequenz durchaus positive Wirkung gezeigt. In der Feuerwehrchronik sind auch eine Reihe von Spuren des sozialistischen Zeitgeistes zu finden, der durch Begriffe wie Kampfprogramm, Planerfüllung, politische Anleitung und Verpflichtungen zu Ehren von Parteitagen belegt ist. Neben ihrer eigentlichen Aufgabe haben die Kameraden der FFw Rodewitz stets auch an der Gestaltung des Heimatortes tatkräftig mitgewirkt. So sind tausende von freiwilligen Stunden beispielsweise beim Wasserleitungsbau in Bederwitz 1984, beim Gehwegbau an der Hauptstraße 1985 und beim Umbau des Kultursaales 1988/89 dokumentiert.
Für die Neuorientierung nach der „Wende“ war der seit 1993 gepflegte partnerschaftliche Kontakt mit der FFw in Niederstetten (Baden-Württemberg) eine besondere Hilfe. Gegenseitige Besuche brachten neben den wichtigen fachlichen Anregungen auch herzliche persönliche Bekanntschaften. Ein großes Erlebnis war für die Jugendfeuerwehren von Niederstetten, Kirschau und Rodewitz das Jugendlager im Sommer 1994 in Obereulowitz.
Die Modernisierung von Ausrüstung, Uniformen und Gerätehaus ging in dem Maße voran, wie der Gemeindehaushalt und die Fördermitteltöpfe finanzielle Mittel zur Verfügung stellten. So wurde das Gerätehaus samt Anbau umfassend renoviert und der Vorplatz neu gestaltet. Ebenso konnten neue Einsatzkleidung und -ausrüstung sowie schmucke Uniformen gekauft werden. Seit 1997 nennen die Rodewitzer Kameraden ein Löschfahrzeug vom Typ Magirus-Deutz 120/7 ihr Eigen. Das alte Robur-Löschfahrzeug wurde im Rahmen einer Hilfs-Initiative des Landkreises Bautzen ungarischen Kameraden zur Verfügung gestellt.

Bemerkenswert ist auch, dass es seit 1995 in der Rodewitzer Feuerwehr wieder eine Frauengruppe gibt, die die Aktiven wirkungsvoll unterstützt.
Mit Vollzug der Gemeindegebietsreform zum 1. Januar 1999 wurde die ehemalige Gemeinde Rodewitz/Spree Ortschaft der Gemeinde Kirschau. In diesem Zusammenhang musste auch die Organisation im örtlichen Feuerwehrwesen neu geordnet werden. Die Rodewitzer unterstehen jetzt als Ortswehr Rodewitz neben der Ortswehr Kirschau dem Gemeindewehrleiter.
Die FFw Rodewitz hat seit ihrer Gründung 1901 vieles im Dorf bewegt und mitgestaltet, Brände verhindert, Brände gelöscht, Hochwasser bekämpft - die Bereitschaft der Bürger zum Helfen in Katastrophensituationen und zum kameradschaftlichen Miteinander gebündelt. In dieser Zeit leiteten folgende Kommandanten die Geschicke der Wehr: 1901- 1926 Johann Wagner, 1926-1933 Paul Gruhl, 1933-1945 Richard Vietze, 1945-1953 Max Honscha, 1953-1976 Walter Schneider, 1976-1988 Dietmar Sußig, 1988-2005 Martin Schuster, seit 2005 Steffen Hoffmann
Der alte Feuerwehrleitspruch hat die Zeiten überdauert und steht früher wie heute über der verantwortungsvollen Arbeit der freiwilligen Feuerwehrleute:
„Es ist uns eine Ehr, zu dienen in der Feuerwehr.
Sie schützt des Nächsten Hab und Gut vor Feuersbrunst und Wasserflut!“
Diese Seite entstand mit freundlicher Unterstützung von
Regine Hartmann
Ortschronistin Rodewitz/Spree
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